Heute vor 52 Jahren fuhr die letzte Straßenbahn in Paderborn

Straßenbahn Paderborn

Vor 52 Jahren fuhr in Paderborn die letzte Straßenbahn. Viele wünschen sie sich heute zurück, für andere ist sie ein nostalgisches Relikt der Vergangenheit. Wir blicken zurück auf die Geschichte der Straßenbahn in Paderborn.

Von der Pferdebahn zur Straßenbahn

Die Idee, eine Straßenbahn in Paderborn fahren zu lassen, gab es schon im 19. Jahrhundert. Zunächst wurde in den 1880er Jahren eine Pferdebahn zwischen Paderborn und Senne eingeführt, die aber schon nach kurzer Zeit wieder eingestellt wurde. Auch die Pläne, eine Straßenbahn zwischen Paderborn und Schloss Neuhaus sowie Sennelager zu bauen, scheiterte mehrfach an den Einsprüchen der Westfälischen Landeseisenbahn. Schließlich waren es vier Paderborner, die im Jahr 1899 die Konzession zum Bau einer Überlandstraßenbahn zwischen Paderborn und Neuhaus erhielten. Da sie das Projekt nicht allein stemmen konnten, übertrugen sie die Konzession schließlich an die Westfälische Kleinbahnen AG aus Bochum. Diese betrieb die konzessionierte Strecke ab 1900 und verlängerte sie in den darauffolgenden Jahren zunächst bis zum Truppenübungsplatz Sennelager.

Gründung der PESAG mit 1,2 Millionen Mark

1906 übernahm die RWE das Netz, bevor es schließlich 1909 zur Gründung der PESAG kam: Die Paderborner Elektrizitätswerke und Straßenbahn AG (PESAG) starteten mit einem Kapital von rund 1,2 Millionen Mark — teilweise bereitgestellt von der Stadt Paderborn. Ihr Einzugsgebiet erstreckte sich bis Bloomberg, Detmold und Horn-Bad-Meinberg. Sie übernahm alle zu diesem Zeitpunkt aktiven Straßenbahnlinien im Stadtgebiet von Paderborn, stellte das Netz auf 800 Volt-Spannung um und begann bereits ein Jahr später mit dem Ausbau des Streckennetzes, das sich in seiner Blütezeit bis nach Sennelager und Detmold erstreckte.

1910: Die erste Straßenbahn rollt in Paderborn

Die PESAG baute ein Jahr nach ihrer Gründung die erste klassische Straßenbahn im Stadtgebiet. Am ersten Dezember 1910 rollten die ersten Wagen durch die winterlichen Straßen Paderborns: Sie fuhr eine Strecke von drei Kilometern vom Hauptbahnhof über das Rathaus zum Nordbahnhof. Hier errichtete die PESAG neben einem Dampfkraftwerk auch eine Wagenhalle. Das Gebäude überdauerte zwei Weltkriege und beherbergt heute den Combi-Supermarkt (früher MiniPreis) nebst Bäcker direkt am Nordbahnhof.

Zwischen den Externsteinen hindurch

Dank der geschickten Verhandlungsführung von PESAG-Direktor Wilhelm August von Tippelskirch gelang der Straßenbahn ein rascher Vorstoß ins Paderborner Umland. Besondere Leistungen vollbrachten die Ingenieure bei der Durchquerung des Egge-Gebirges, durch das heute die B1 auf einer kurvigen Strecke verläuft. Hier war die Überwindung von 140 Höhenmetern auf einer Streckenlänge von dreieinhalb Kilometern notwendig. Die Streckenführung der Linie zwei verlief von Paderborn zunächst durch unzugängliche Waldgebiete und wurde über Schlangen, Kohlstädt und die Externsteine bis Horn geführt. Besonders schön: Hier fuhr die Straßenbahn sogar zwischen den Externsteinen hindurch.

Mehr als eine Million Fahrgäste

Nachdem die PESAG während des ersten Weltkriegs damit begann, die Lippischen Elektrizitätswerke aufzukaufen, verleibte sie sich bis 1922 deren Detmolder Straßenbahnnetz ein. Inzwischen war ihr jährliches Fahrgastaufkommen von gut einer halben Million im Jahr 1911 auf fast 1,2 Millionen im Jahr 1917 geklettert. In den Folgejahren fuhr die Straßenbahn bis Blomberg und Horn–Bad Meinberg, wo sie mit den Linien aus Detmold zusammentraf. In den frühen 1930ern stand die Straßenbahn im Paderborner Land in höchster Blüte. Das Schienennetz erstreckte sich auf einer Gesamtlänge von knapp 130 km auf 12 Linien. Auf den Überlandlinien fuhren die Bahnen jede Stunde, im Paderborner Stadtgebiet sogar halbstündlich.

Rückzug auf Raten

Das Schienenzeitalter in der Innenstadt Paderborns währte allerdings nur kurz: Bereits 1936 wurde die Verbindung Blomberg–Bad Meinberg auf Busse umgestellt. Die Strecke durch die Externsteine sollte diesem Beispiel folgen, verblieb aber zunächst auf einem eigenen Gleis neben der verlegten Reichsstraße Eins. Schon 1939 erwogen die Paderborner Verantwortlichen das Ende der Bahn. Busse sollten stattdessen fahren, doch der ausbrechende Krieg stoppte zunächst alle weiteren Umbaupläne. Nach Kriegsende und Wiederaufbau fand sich Deutschland mit veränderten verkehrstechnischen Bedingungen konfrontiert. Immer mehr Autos drängten auf die Straßen, deren Fahrer nach autofreundlicheren Städten riefen. Da störte offenbar die Bahn mit ihren oft parallel zur Straße verlaufenden Gleisen. Die Unfälle häuften sich. Zudem war das rollende Material inzwischen stark veraltet. Eine massive Modernisierungskampagne wäre nötig geworden — Investitionen, die die PESAG nicht tätigen wollte. So kam der schrittweise Rückzug der Bahn.

Zuerst verschwand die Strecke nach Horn–Bad Meinberg, es folgten 1953 die Verbindung nach Schlangen. Das einst gemeinsame Netz zerfiel wieder in ein Paderborner und ein Detmolder Teilnetz. Die übrigen Überlandlinien gingen an den neuen BahnBus der Bundesbahn, sodass ab 1958 nur noch die Verbindung Paderborn–Neuhaus verblieb. Deren Stilllegung erfolgte fünf Jahre später. Die letzte Straßenbahn auf dieser Strecke fuhr am 27. September 1963.

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